(30.09.2021) Seit dem 22. September finden im Ruhrgebiet die Talenttage Ruhr statt. Ziel der über 500 Veranstaltungen, die bis hauptsächlich bis zum 2. Oktober angeboten werden, aber auch darüber hinaus realisiert werden, ist es, Kinder und Jugendliche anzuregen, ihre Talente zu entdecken. Allein 100 Veranstaltungen finden in Grundschulen und Kitas statt und ich war am Montag dabei.

Stark mit Eichhörnchen Fridolin

Bis ich die Anfrage bekam, im Rahmen der Talenttage in Kindergärten zu lesen und das durchaus vor den kleineren Kindern, war Fridolin eine Figur in meinem Erzähltheater „Durch das Jahr mit Fridolin“. Dann habe ich mir überlegt, wie ich die zwölf Mini-Geschichten zusammenstellen kann, damit die Kinder eingebunden werden können. Hinzu kam noch, dass ich für eine Autorin eingesprungen bin, die etwas zum Thema Müll gelesen hätte. Aber ich habe es geschafft, alles unter einen Hut zu bringen. Ich stellte nämlich fest, dass die Illustratorin des Erzähltheaters aus einem Grund, den ich nicht mehr kenne, den Drachen vom Oktoberbild auch noch ins Novemberbild eingebaut hat. Einen Sinn hatte das bis jetzt nicht – aber für das Thema „Müll“ war das optimal. Konnte ich doch selbst mit den Kleinen darüber ins Gespräche kommen, dass man seine Spielsachen und andere Dinge nicht einfach liegen lässt. Aber das sollte das Ende der Lesung sein. Beginnen wollte ich mit einem Plüscheichhörnchen, das ich zum Glück nach einer kleinen Shoppingrunde in Hagen fand. So habe ich mich auf den Weg nach Essen gemacht zur ersten Lesung mit diesem Konzept.

So viele schlummernde Talente

Begonnen habe ich die Lesung damit, dass ich Geschichten ausdenke und schreibe und gefragt, wer sich schon Geschichten ausgedacht hätte. Da zeigten sich bereits die ersten Talente, eine beliebte Figur der ausgedachten Geschichten war Dracula Als ich dann das Eichhörnchen hervorholte und mich erkundigte, welches Tier das sei und ob man wüsste, wo die lebten, kristallisierte sich heraus: Fast alle Kinder haben ein Talent zum lauten Rufen Faszinierend fand ich, wie unterschiedlich genau die Kinder die Bilder des Erzähltheaters betrachteten. Ein kleiner Junge, der erst von der Erzieherin angestupst werden musste, dass er etwas sagt, hatte als einziger die Maus auf dem Bild entdeckt und sich nicht getraut, weil die anderen laut „Ente“, „Fuchs“ & Co. gerufen hatten. Ich habe abwechselnd gelesen, die Kinder zu den Bildern erzählen lassen oder auch Fragen zur Geschichte gestellt. Am Schluss haben wir uns darüber unterhalten, weshalb es nicht gut ist, Müll herumliegen zu lassen. Ein Kind wies darauf hin, dass die Umwelt verschmutzt würde, und ein anderes – und es waren Drei- und Vierjährige! – stellte besorgt fest, dass die Tiere den Drachen fressen würden und davon krank werden könnten. Mein Auftritt endete damit, dass ich mit den Kindern eine einfache Papiertüte gefaltet habe – auch hier war erstaunlich, wie souverän manche das hinbekamen, was ich ihnen zeigte, während andere Kinder Hilfe benötigten. Die sie aber auch ohne schlechtes Gefühl angenommen haben, ich glaube, das hat mich am meisten beeindruckt, dass Kinder in dem Alter nicht gucken, sind die anderen schneller fertig oder machen das besser, sie bitten einfach um Hilfe und damit ist das Thema erledigt. Als Geschenk von Fridolin erhielten die Kinder am Ende eine Papierkastanie, die ein bisschen kastanisch aussieht. Aber hier wurde deutlich, dass Kinder eben noch nicht darüber nachdenken, ob das Papierding aussieht wie eine Kastanie, wenn ihnen das als Kastanie überreicht wird, ist das eben eine Kastanie und da war die Aufregung groß, als ein Kind seine Kastanie verloren hatte

Leseförderung bei den TalentTagen

Bis zum Kontakt mit den OrganisatorInnen der TalentTage wusste ich nicht, dass es dieses Projekt gibt, mit Leseförderung junge Kinder zu fördern und zu inspirieren. Aber nach dem ersten Lesungsvormittag bin ich begeistert, was durch ein solches Projekt doch angestoßen werden kann. Natürlich werden hier noch keine Talente gesucht, auch wenn man das ein oder andere entdecken kann. Aber die basalen Fähigkeiten der Kinder werden gestärkt, sie erleben, dass eine fremde Erwachsene Person ihnen zuhört, sie fragt, sie einbindet, dass ihre Gedanken und Antworten wertgeschätzt werden. Ein Junge hat mir vor Jahren in einer Nachhilfestunde erklärt, weshalb es ihm wichtig ist, ob ich eine Geschichte gut finde: „Meine Mutter muss das gut finden, schließlich ist sie meine Mutter.“ Mütter, Väter und ErzieherInnen hören den Kindern auch zu, aber sie sind ja auch immer da. Ich freue mich jetzt schon auf die nächsten Lesungen und falte bis dahin fleißig Kastanien © 2021 Dr. Birgit Ebbert www.birgit-ebbert-blog.de

Bericht über Tag 6 der TalenttageRuhr mit einem kleinen Beitrag zu meiner Lesung 🙂

Ankündigung der Lesung am 27. September 2021 in Essen

Mehr über „Ein Jahr mit Fridolin“ (Kaufmann Verlag 2019)

Programm der TalentTageRuhr 2021