(24.02.2022) Eigentlich rezensiere ich in meinem Blog keine Bücher von KollegInnen mehr, aber wie heißt es so schön: Keine Regel ohne Ausnahme. Diese Ausnahme gilt für diesen Beitrag sogar doppelt – denn eigentlich lese ich auch keine Krimis, in denen es zu mörderisch, sprich: sehr blutig, zugeht 🙂 Warum ich bei den „Commissario Leone und die Tränen der Madonna“ eine Ausnahme mache? Weil ich diesen Krimi von Patrizia Zannini in Telefonaten und Mails – live gesehen haben wir uns in der Pandemie leider nicht 🙁 – über mehrere Jahre verfolgt habe. Ich erinnere mich noch genau daran, als Patrizia mir zum ersten Mal von ihrer Idee erzählt hat. Irgendwann hat sie sich – wie ich mich übrigens auch – während der Pandemie die Frage gestellt: Was denke ich später über diese Zeit? Wie habe ich diese doch lange Phase genutzt? Und auf einmal wurden unsere Telefonate weniger, zum Glück schrieb ich an meinem Fernlehrgang, da fiel das kaum auf 🙂 Und jetzt ist die Geschichte da und ich habe sie gelesen.

Commissario Leone und die Tränen der Madonna

In Rom treibt ein Serienmörder sein Unwesen. Ein junger Mensch nach dem anderen wird unter seltsamen Umständen gefunden. Commissario Leone und sein Team suchen händeringend nach Gemeinsamkeiten. Das Geschlecht ist es nicht, denn der Tod trifft Männer wie Frauen gleichzeitig. Vereint die jungen Leute das Interesse an Kunst? Oder gehen sie alle einer anderen Leidenschaft nach? Der Commissario und seine Leute kommen kaum mit der Recherche nach, da trifft die nächste Todesnachricht ein. Und dann ist da noch die alte Signora, die die Polizei ruft, weil die Madonna in ihrer Kirche Blut weint. Enzo Leone hat alle Hände voll zu tun und hat eigentlich keinen Gedanken frei für die Liebe, aber sein Herz ist entflammt und seine Gedanken viel zu oft bei der Frau als bei den Morden. Verständlich 🙂

Meine Lektüre des Krimis

So etwa stelle ich mir den Tatort vor 🙂

Ich schrieb es schon, dieser Artikel ist eine doppelte Ausnahme, denn – eigentlich lese ich solche Krimis, in denen das Blut in Litern strömt, nicht. (Eine mentale Altlast aus meiner Zeit als Jugendschützerin und Beisitzerin bei der Bundesprüfstelle!) Aber ich wollte natürlich wissen, was aus der ersten Idee und den Informationsfetzen und Fragen geworden ist und habe das Buch – als E-Book, weil das schneller greifbar war 🙂 – dann doch gelesen. Was soll ich sagen: Eine wirklich mega spannende Geschichte, die mit viel Lokalkolorit aus Rom verknüpft ist, die Patrizia sich nicht angelesen hat, sondern aus eigener Anschauung der Heimat Ihres Vaters schildert. Ich gebe zu, ich habe die Mordbeschreibungen irgendwann überlesen 🙂 (Nicht weil sie schlecht, sondern weil sie so gut sind, das ich mit dem Opfer gelitten habe!) fand aber die vielen Details so spannend, dass ich den E-Reader nicht aus der Hand legen konnte. Ok, ein wenig psychologische Leseführung hat Patrizia speziell für mich vermutlich eingebaut 🙂 – zuerst kamen Faltkraniche vor und ich wollte natürlich wissen, ob die eine Bedeutung habe. Dann erwähnt sie Papierschiffchen, die auf einen Pool gesetzt werden, was mich direkt zu einer eigenen Buchidee inspiriert hat. Trotzdem habe ich aufmerksam gelesen, wer denn nun der blutrünstige Täter sein würde, ob ihm womöglich auch noch Enzos Schwarm zum Opfer fällt und natürlich, ob sich Enzo und sein Schwarm am Ende kriegen.

 

Der Krimi ist seit heute als E-Book online und als P-Book hoffentlich in vielen Buchhandlungen erhältlich. Ein Must-have für Rom-Fans und Liebhaber von Kriminalgeschichten, in denen viel Blut fließt – beklagt euch aber dann nicht bei mir, wenn ihr nicht schlafen konntet 🙂

Patrizia

🙂 Ich hatte kein Bild aus Rom, deshalb müssen Kraniche genügen 🙂

Zannini: Commissario Leone und die Tränen der Madonna. Piper 2022

Hier geht es zur Website von Patrizia Zannini.

Mehr über Papierkraniche findet hier in diesem Blogbeitrag.

🙂 Das Papierschiffchen ist übrigens eine Verbindung zu meinem Jugendroman Ego-Trip, fällt mir gerade auf, als ich den Link zum Falten eines Papierschiffchens suchte 🙂

 

Und hier gibt es noch mehr von Patrizia Zannini in ihrem wunderbaren Blog „Literarisch-Kulinarisch„, in dem sie nicht nur italienische Rezepte und Speisetraditionen verrät.

Ich habe nicht vergessen, dass ich den AutorInnen, deren Bücher ich dann doch vorstelle :-), drei Fragen zum Buch stelle. Das sind meine Fragen und Patrizias Antworten:

1. Versuche doch mal zu erklären, ohne zu spoilern, wie du auf die Idee für diese verrückte Geschichte gekommen bist.

Ohne zu spoilern ist das kaum möglich. Ich habe einen Artikel in einer Zeitschrift gelesen. Und da war die Idee geboren. Tja, sehr vage, aber mehr kann ich leider nicht sagen.

2. Ich habe in meinem Beitrag schon verraten, dass du Rom gut kennst. Woran erinnerst du dich besonders, wenn du an deine Aufenthalte dort denkst?

Für mich ist Rom immer verbunden mit Familie. Gemeinsame Essen an einem langen Holztisch im Garten meiner Großeltern unter Weintrauben. Unzählige Gänge, die alle meine Nonna bis ins hohe Alter gekocht hat. An Sonntagen war oft die ganze Familie da, das waren nie unter 20 Personen. Und da ist auch die Erinnerung ans Abspülen danach, das fanden wir Kinder natürlich nicht so toll. Unvergessen auch, wenn wir alle gemeinsam an den Strand fuhren – meine Cousins und Cousinen waren auch meist mit dabei – und den ganzen Tag am Meer verbrachten. Wunderschöne Erinnerungen!

3. In jedem deiner Romane bringst du ja Menschen aus seinem Umfeld mehr oder weniger deutlich unter. Wer ist es in diesem Krimi?

Alte Schulfreunde mit denen ich immer noch Kontakt habe. Ich verändere ihre Namen (übersetze sie – wenn das möglich ist). Ich hoffe inständig, dass sie mir verzeihen werden, dass ich die eine oder andere Eigenart etwas überspitzt habe. Namen nenne ich mal lieber nicht.

PS: Ihre italienischen Wurzeln bringt Patrizia auch in ihrem Roman „Malocchio“ ein, was soviel heißt wie der böse Blick, die „Hummelkönigin“ dagegen lässt sie in den USA spielen, wo sie ebenfalls viel Zeit verbracht hat, früher, als man noch sorglos und unkompliziert durch die Welt reisen konnte.