(25.05.2021) Die rote Schachtel mit der Aufschrift „Alter Ego. Ein Road Trip in der Schachtel“ liegt schon seit zehn Tagen auf meinem Couch-Tisch und ruft: „Ich bin deine Premiere.“ Gestern hatte ich endlich Zeit und Muße für die Premiere, bei Milchkaffee und – von mir! – selbst gebackenem Käsekuchen habe ich mich auf eine Zeitreise begeben. Ich habe mir die Geschichte von Konrad Heinzelmann erlesen, erblättert und erhört und es war gut, dass ich mir Zeit genommen habe, denn die wunderbaren Requisiten haben mich gleichzeitig auf meine eigene Zeitreise geschickt. Eine herausragende Idee des Teams vom Freilandtheater Bad Windsheim und eine gelungene Umsetzung, die Theater auf neue Weise vermittelt.

Die Geschichte Konrad Heinzelmann

Konrad Heinzelmann ist am 1. März 1953 in Essen geboren und er hat seither einiges erlebt, Ärger mit dem Vater, Urlaube mit Freunden, Beziehungen mit Frauen, er ist selbst Vater geworden und heute sogar Großvater. Vor einer Gehirnoperation quält ihn der Gedanke, er könne dabei sein Gedächtnis verlieren und er beginnt, sein Leben zu ordnen, um sich im Notfall an die schönsten Zeiten zu erinnern. Der Versuch, Enkelin Luise sein Leben zu diktieren, bleibt in den Ansätzen stecken, bringt ihm aber die Erinnerung an eine alte Freundin und er beschließt spontan, sie vor der OP noch zu besuchen. Genau zum richtigen Zeitpunkt, denn ein alter Freund meldet sich bei ihm. Ob der es allerdings gut mit ihm meint? Das verrate ich natürlich nicht. Auch nicht, was Enkelin Luise trotzdem über ihren Opa erfahren hat und wie die Begegnung mit der alten Freundin ausgegangen ist. Ein Tipp vielleicht, seine wilde Phase hatte Konrad Mitte der 70er-Jahre.

Das Schachteltheater „Alter Ego“

Das Schachteltheater ist nicht nur metaphorisch, sondern real eine Schachtel. Nachdem ich sie geöffnet hatte, fiel mein Blick als erstes auf einen „Brief an mich selbst“, der im März 2019 in Kleinlichtenau geschrieben wurde. Schon war ich in der Geschichte und wollte wissen, wie die OP ausgehen würde, ob die Sorgen berechtigt wären und was es mit dieser Beate auf sich hat, die in dem Brief erwähnt wird. Ein surrealistisches Gemälde von Konrad ließ vermuten, dass ihm einiges durch den Kopf ging. Einige Rechnungen habe ich gleichzeitig aus der Schachtel genommen und durchgesehen – dazwischen war auf einmal eine Quittung vom Drogeriemarkt Müller. Wieso liegt der Beleg in dem Schachteltheater, habe ich mich gefragt, war ich doch erst Samstag in eben jenem Drogeriemarkt in Hagen. Ich wollte den Kassenbon schon weglegen, da las ich, was gekauft wurde und begriff, dass der doch wohl eher zum „Road-Trip“ gehörte. Ein Zeichen dafür, wie echt die diversen Papiere wirken. Es folgten ein Sparbuch, das mich an eine kuriose Situation in meinem Leben erinnerte – leider war auf meinem Sparbuch nie ein solcher Kontostand, aber dafür war ich für wenige Sekunden Millionärin auf dem Papier, weil sie ein Bankmitarbeiter vertippt hatte und plötzlich stand da eine siebenstellige Ziffer in meinem Sparbuch. Schade, dass er den Fehler sofort korrigiert hat. Aber so katapultiert einen das Schachteltheater mit Fotos, Briefen, Zeitungsartikeln und O-Tönen auf einer CD immer wieder in vergangene und vergessene Situationen. Mich übrigens zusätzlich, weil ich die Handschrift des Eröffnungsbriefes von Konrad an Konrad sofort als die eines alten Freundes erkannt habe. Auch Anlass für ein kurzes Innehalten und Nachdenken über meine alten Zeiten. Es war gut, dass ich mit meiner Premiere gewartet habe, bis ich mir die Zeit nehmen konnte. Ein sehr empfehlenswertes Stück Theater – nicht nur für Pandmietage. Trotzdem freue ich mich nach diesem Erlebnis umso mehr auf Bühnentheater und hoffe, dass ich dann auch endlich mal wieder im Freilandtheater bei einer Premiere oder Aufführung dabei sein kann.

Über das Freilandtheater

Das Freilandtheater ist wie der Name schon sagt, Theater im Freien, aber nicht irgendwo, sondern im Freilandmuseum Bad Windsheim, wo Karin Hornauer und Christian Laubert mit ihrem Team und ihrem Ensemble seit 2004 Jahren immer neue Inszenierungen auf die Beine stellen. Ich war, wenn ich es richtig erinnere, bei zwei Aufführungen dabei – Bad Windsheim liegt ja auch nicht um die Ecke. Das Ensemble besteht immer aus Schauspielerprofis und Laiendarstellern, die Stücke stammen von Christian Laubert, der jedes Jahr ein anderes Gebäude bzw. Gebäudeensemble in dem Freilandmuseum ins Zentrum seiner Geschichten.

Schon bin ich wieder in meiner eigenen Geschichte, als ich zum ersten Mal in Bad Windsheim war, hatte ich nämlich beim Frühstück in der Pension die Idee für „Miekes genialer Anti-Schüchternheits-Plan“, dessen Anfang ich in mein Notizbuch geschrieben habe, während um mich herum schon alles abgeräumt wurde – und Christian Laubert war es, der mich vor vielen Jahren schon auf seine Krimilesung in Heidelberg und durch Heidelberg mitgenommen hat, was mich zu meinen Krimispaziergängen inspiriert hat. 🙂 © Mai 2021 www.birgit-ebbert-blog.de

Weitere Informationen:

Website des Freilandtheaters (Direktlink zum Schachteltheater)

„Ein bisschen Freilandtheater zum mit nach Hause nehmen“ (Nordbayern 6. Mai 2021)

Facebook-Seite vom Freilandtheater

Und noch ein Nachtrag zum Schachteltheater!

Das Schachteltheater ist so schön, dass es nicht bei mir im Regal einstauben muss. Deshalb habe ich mir gedacht: Ich verlose mein Schachteltheater unter allen, die diesen Blogbeitrag oder die Schachteltheaterseite bis zum 31. Mai 2021 bei Facebook oder in einem anderen sozialen Netzwerk teilen. Dazu bitte mich markieren, damit ich den Überblick behalte, oder mir den Link schicken per PN oder E-Mail an info@birgit-ebbert.de