(12.06.2021) Seit dem 17. April findet mein Schreibtreff für junge Autorinnen und Autoren der Stadtbücherei Hagen im Rahmen von Schreibland NRW wieder Stadt. Zum Glück! Wir können uns zwar noch nicht live treffen, aber da wir alle fit in Videokonferenzprogrammen sind, tauschen wir uns eben darüber aus und hoffen auf indizenzbessere Zeiten. Zum Glück hatten wir bei der Planung in diesem Jahr erst für April das erste Treffen vereinbart und die zehn Termine bis in den November gestreckt. Es werden also hoffentlich auch wieder Live-Begegnungen stattfinden können. Sobald klar ist wann, werde ich mich auch darum kümmern, dass wir wieder einen Inspirationsbesuch in einem Hagener Museum o. ä. machen können. Ich habe da schon eine Idee oder zwei oder drei 🙂

Der erste virtuelle Schreibtreff 2021

Am 17. April war das erste Treffen und ich hatte mir gleich mal vorgenommen, nach einer ersten Plauderzeit über das Leben in der Pandemie eine Geschichte gemeinsam zu schreiben. Weil ich nicht sicher war, ob wirklich alle Teilnehmenden Lust hatten, vor dem Bildschirm zu sitzen und eine Geschichte zu schreiben. Da hatte ich mich aber gründlich verdacht Die Hälfte der Kinder und Jugendlichen hat eine eigene Geschichte zum Thema „Das Haus am See“ geschrieben und die andere Hälfte hat zusammen an einem Text gearbeitet. Was mit der Software, die wir ausprobiert hatten, nicht wirklich gut ging. Ich konnte nicht den Bildschirm teilen, sodass wir immer zwischen den Programmen hin- und herspringen mussten, allerdings hat sich zumpad als tolle Plattform zum gemeinsamen Arbeiten bestätigt.

Eine nachhaltige Schreibanregung

Nach diesem kleinen Desaster mit der Plattform sind wir am 8. Mai doch die Zoom-Plattform genutzt – und Zoom hat uns freundlicherweise unterbrechungsfrei 90 Minuten arbeiten lassen. Was toll war, denn wir mussten viel kommunizieren über das Schreiben. Ich hatte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern vorab einen Schreibinput zum Aufessen geschickt. Auf die Idee war ich gekommen, als mir einfiel, dass es in der Stadtbücherei immer Knabbereien gibt – als Nervennahrung, falls mein Input sehr herausfordernd ist. Solche Knabbereien kann man schlecht durch den PC schicken. Also habe ich Zuckerschrift und Stifte in Lebensmittelfarbe bestellt, um die Anregung auf Esspapier zu schreiben. Allerdings konnte ich in der Innenstadt nirgendwo Esspapier kaufen.
Da habe ich mich an meine Jugend erinnert – hier müsst ihr euch mein sehr breites Grinsen vorstellen. Ich fand nämlich schon immer die Backoblaten, die wir beim Backen von Kokosmakronen benötigten, sehr lecker. Auch ohne Kokosmakrone. Und es fiel ja auch nicht auf, wenn man aus der Packung – die damals übrigens genauso aussah wie heute – die eine oder andere Oblate naschte. Immer mal wieder. Mit dem Ergebnis, das die Packung bis auf einen spärlichen Rest leer war, als meine Mutter backen wollte. Die Strafe bestand darin, zum Supermarkt zu radeln und neue Oblaten zu kaufen.
Ich bin also in Hagen in den Supermarkt und habe statt Esspapier Oblaten gekauft. Für jeden habe ich drei Oblaten mit Begriffen beschrieben. Da stellte sich die Zuckerschrift übrigens als sehr viel sinnvoller heraus als die Lebensmittelfilzstifte! Die Pandemie im Kopf saß ich an meinem Schreibtisch mit Maske und Handschuhen und habe die Oblaten beschriftet. Zum Trocknen habe ich sie ins Arbeitszimmer gelegt, dass ich in der Zeit eben nicht betreten durfte. Nach dem Trocknen habe ich mich erneut in Maske und Handschuhe gehüllt und die Oblaten in kleine Tütchen verpackt. Die wiederum in selbstgefaltete Umschläge mit den Adressen verpackt wurden.
Die Schreibaufgabe lautete dann, zu einem der Begriffe einen Text zu schreiben, die anderen mussten erraten, welches Wort gemeint war. Da kamen verrückte und witzige Texte heraus. Und der Input klappte auch nur deshalb so gut, weil die Kids bei sich zu Hause saßen und nicht spicken konnten.

Wie ich coronakonform in die Wohnzimmer kam

Schon am 8. Mai hatte ich unvermittelt eine Idee für einen Schreibinput beim nächsten Treffen, zumal schon damit zu rechnen war, dass dieses wieder virtuell stattfinden würde und viele neue Kinder dabei waren, die mich noch nicht persönlich kennengelernt hatten. In meinem Archiv habe ich tatsächlich noch genug Exemplare meines Kinderbuches „Miekes genialer Anti-Schüchternheitsplan“ gefunden und diese zusammen mit einem gefalteten Wurfspiel über die Stadtbücherei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zukommen lassen. Schon zwei Tage später bekam ich die erste Rückmeldung einer Mutter, dass ihre Tochter schon fleißig das Buch lese und sieben Mal das Wurfspiel geschafft hätte Bei dem Treffen haben dann einige Kinder tolle Geschichten zum Anfang von Kapitel 23 geschrieben: „Am nächsten Morgen stellte ich mich vor den Spiegel in meinem Zimmer und sprach mir Mut zu: ‚Du schaffst das!‘ Das hatte ich auch auf einen kleinen Zettel geschrieben, der in meiner Jeanstasche steckte.“ Die anderen haben an anderen Geschichten gearbeitet, das ist schließlich auch möglich. Es sind mehrere lange Storys in Arbeit, deren Entwicklung wir gespannt verfolgen. Ein Teilnehmer schreibt im Übrigen, was ich mit meinem Faible für Erinnerungsgeschichten besonders klasse finde, Erinnerungsgeschichten als Geschenk für seine Oma! Was übrigens hier so leicht klingt, Bücher signieren, zur Bücherei bringen und von dort verteilen, war längst nicht abenteuerfrei. Das wird sicher irgendwann Inhalt einer Detektivgeschichte für Kinder werden. Ich hatte nämlich die Bücher für zwei Kinder, die neu hinzukommen wollten, signiert, verpackt und an Christi Himmelfahrt in den Briefkasten der Stadtbücherei geworfen. Ich habe noch das Plumpsgeräusch im Ohr. Allerdings sind diese Bücher verschollen, spurlos verschwunden. Zum Glück hatte ich noch zwei Exemplare, die die Kinder dann am Tag vor dem Schreibtreff abholen konnten. Sobald wir uns wieder analog sehen, werde ich einige der Kindergeschichten fotografieren, um sie abzuschreiben.

Schreibinspiration via Postkarte

Ich hatte gehofft, dass wir uns am 12. Juni schon wieder in der Stadtbücherei treffen könnten. Aber leider schleicht die Inzidenz in Hagen in winzigen Schrittchen nach unten und so haben wir uns wieder nur auf dem Bildschirm gesehen. Um dennoch analog im Wohnzimmer zu sein, habe ich mich bei der Suche nach einem Input an die Postkarten zu meinem „1000 Kraniche für den Frieden„-Projekt 2018 erinnert. Es sind dabei tolle Geschichte entstanden. Soviel ist jetzt schon klar, das wird eine tolle Abschlusslesung im November, aber bis dahin gibt es noch sieben Schreibtreffen, einige Ideen für Anregungen habe ich schon © 2021 www.birgit-ebbert-blog.de