(25.07.2021) Gestern Abend wurde die Bühne des Theaters an der Volme zu der Psychotherapiepraxis von Delilah Spanneback und wir ZuschauerInnen durften Mäuschen spielen.

Und das ist die Geschichte von Schweigepflicht

Delilah Spanneback besitzt eine Praxis für Psychotherapie, in der sie Menschen hilft, ihre Probleme zu bewältigen. Der homosexuelle Engelbert versucht mit ihr die Trennung von seinem Partner zu verarbeiten und die kriminelle Nachbarin Liane braucht Rat, um ihr verzwicktes Liebesleben in den Griff zu bekommen. Dazwischen tritt Delilahs Sohn Linus und es wird schnell klar, dass die Psychotherapeutin mit den Sorgen und Nöten anderer leichter umgehen kann als mit den Eigenheiten ihrer Familienmitglieder. Wenn sich die Ebenen dann noch vermischen, kann die Schweigepflicht eine Psychotherapeutin in die Klemme bringen. Und das Publikum ist hautnah dabei, denn daraus entspinnt sich eine verrückte Geschichte, die viel Stoff zum Schmunzeln und Lachen bietet. Natürlich sind so ziemlich alle Klischees aufgenommen worden, die einem rund um die Geschichte einfallen könnten, aber sie wurden auf herrliche Weise überspitzt und das Ende … – ach nein, das sollte ich wirklich nicht verraten

Eine gelungene Inszenierung

Dies war wieder ein Stück, von dem man den Eindruck hatte, jede einzelne Figur sei den DarstellerInnen auf den Leib geschrieben, was für die Qualität der Schauspielarbeit spricht. Jeder hat seine Rolle so authentisch vermittelt, dass man ihnen diese auch im Alltag abgenommen hätte. Dario Weberg traf in seiner Rolle als homosexueller Klient Engelbert genau den richtigen Ton, um klischeehaft und doch authentisch zu wirken. Auch Betty Stöbe wirkte in ihrer Rolle als Psychotherapeutin Delilah Spanneback so, wie Otto und Erna Normalverbraucher sich eine Therapeutin vorstellen. Um Karolin Kersting als Dealerin Liane machte man sich direkt Sorgen angesichts der kriminellen und amourösen Verwicklungen. Jan Philip Keller brachte als Linus Spanneback die Therapeutin ganz schön ins Schwitzen und sorgte auch sonst für einige Verwirrung. Eine gelungene Inszenierung, die wieder Lust macht auf Theater – dem Publikum und den Schauspielerinnen und Schauspielern, die teilweise zum ersten Mal seit zehn Monaten wieder auf der Bühne standen. Eine schöne Gelegenheit, Pandemie und Hochwasser für zwei Stunden zu vergessen.

Die nächste Aufführung ist heute, Sonntag, den 25.7., um 18 Uhr. Der Zuschauerraum im Theater an der Volme ist weiterhin mit Stühlen und Tischen bestückt, die Getränke werden vorher und in der Pause an den Tisch gebracht.

Und noch ein persönliches Postskriptum

Mich beschäftigt das Hochwasser gedanklich noch immer sehr und es kam mir widersprüchlich vor, eine Komödie im Theater anzusehen, während viele Familien in Hagen und anderen Landesteilen in Behelfsunterkünften sitzen. Aber ich weiß auch, dass das Theater an der Volme jetzt ein Publikum braucht, nach 240 Tagen Stillstand und nachdem durch das Hochwasser das zweite Spielwochenende nach der Pandemie-Pflicht-Pause ausfiel und der Fundus zerstört wurde. Heute bin ich froh, dass ich dort war, für mich und die SchauspielerInnen, die so lange auf diesen Abend gewartet und dafür geprobt haben. Leben ist nun mal widersprüchlich. © Dr. Birgit Ebbert www.birgit-ebbert-blog.de