(14.06.2022) Kaum bin ich nicht bei einer Premiere dabei, schon bricht der Schlendrian ein 😊 – jetzt aber ein kleiner Bericht über meinen Besuch des Schauspiels „Willi Winzi“ beim 3. Werdringer Theatersommer. Die Bühne, auf der sich vor drei Jahren noch Unholde tummelten, verwandelte sich am Sonntagabend in das Finanzamt, in dem Willi Winzig nach 35 Dienstjahren als Amtschreiber auf seine bevorstehende Pensionierung wartet. Sieben Tage noch, da kann ja nicht viel passieren – sollte man meinen, aber es kann.

Willi Winzig auf Abwegen

Ausgerechnet eine Woche vor seiner Pensionierung entdeckt ein Vorgesetzter, dass Willi Winzig in seiner Position dem Schicksal ein bisschen auf die Sprünge geholfen hat. Da ist mal hier ein negativer Steuerbescheid im Aktenwust verschwunden und mal da eine schlechte Nachricht zurückgehalten worden. Das kann Willi Winzig seine Pension kosten.

Doch zum Glück hat sein Chef eine wunderbare Idee. Wäre Willi Winzig verrückt, könnte man ihm die verrückten Taten nicht anlasten. Für seine Pension nimmt Willi Winzig auch das auf sich. Doch dann ist es wie im wahren Leben: Erstens kommt es anders, als man zweitens denkt. Was Willi Winzig auch anstellt, im Nachhinein entpuppt es sich ein Segen für das Finanzamt oder den Minister. Dem Amtschreiber mit den krausen Ideen klebt förmlich das Glück am Schuh und die Pensionierung rückt in weite Ferne.

Die Inszenierung beim Werdringer Theatersommer

Schon diese Geschichte enthält viel Stoff für einen amüsanten Abend, gepaart mit dem Sprachwitz, für den man Heinz Erhardt, den „Vater“ von Willi Winzig kennt, und die treffende Besetzung der verschiedenen Rollen. Dario Weberg hat sich in den unglückselig-glücklichen Willi Winzig verwandelt und ich habe mich wieder gewundert, wie er es schafft, nicht selbst über die Sprachspielereien in Lachen auszubrechen , obwohl der eine andere Körperstatur hat als der legendäre Komiker, schafft Dario Weberg es mit wenigen Gesten sich in Heinz-Willi Erhardt-Winzig zu verwandeln. Das war richtig großes Kino.

Aber natürlich auch weil sich die anderen Schauspieler hervorragend um ihn rankten. Ob das Betty Stöbe war, die Willi Winzig als diensteifriges Fräulein Weguscheit umschmeichelte, oder Daniela Menzel als engagiert-nervige Tierärztin Dr. Kubin in Finanznöten, Dirk Stasikowski als Ministerialsekretär, der auch mal Fünfe gerade sein lässt, zumal seine Gedanken ohnehin eher bei Dr. Kubin weilen als bei den Akten. Stefan Schroeder spielte die Rolle als buckelnder und tretender Sektionschef Doleschall so überzeugend, dass man sich vorstellen konnte, er käme gerade vom Finanzamtsflur und die beiden Minister Kuhländer alias Simon Jakobi und Dr. Finz, gespielt von Roman Weber, wirkten so echt, dass sie durchaus auch im Landes- oder Bundeskabinett mitspielen könnten. Und dann trat Betty Stöbe noch einmal auf, als Staatsgast Carlos Buertos aus Caracas – zum Piepen! Kurzum: Eine gelungene Inszenierung von Dario Weberg, die uns einen vergnüglichen Abend beschert hat, die Atmosphäre im Schlosshof war das Tüpfelchen auf dem I. © 2022 Birgit Ebbert www.birgit-ebbert-blog.de

Die weiteren Termine sind: 16.06., 19.06., 24.06., 26.06

Die Karten dafür gibt es über www.theaterandervolme.de/tickets und www.proticket.de.

Die Veranstaltungen beginnen jeweils um 19.30 Uhr, Einlass ist eine Stunde vorher und bis es los geht, kann man sehr gut die vorzügliche Bratwurst essen 🙂