(26.04.2022) Heute ist der Welttag des geistigen Eigentums, ein guter Anstoß für den Blogbeitrag, den ich schon lange schreiben wollte. Es regt mich nämlich fürchterlich auf, wie viele Menschen einfach so das Urheberrecht verletzen. Täglich! Ich kann es nur für Facebook sagen, aber da habe ich den Eindruck, die kreative Leistung anderer zählt gar nichts, niente, nothing. Als Autorin, die davon lebt, Ideen zu entwickeln und umzusetzen, zwinge ich mich jedes Mal, keinen wütenden Kommentar zu schreiben. Manchmal schicke ich PNs, dann stellt sich heraus, dass die Menschen nicht wussten, dass sie nicht munter meine Fotos als ihr Titelbild verwenden oder ganze Texte von Schriftstellern oder Liedermachern abschreiben dürfen.

Das Urheberrecht

Der Welttag des geistigen Eigentums bezieht sich auf alle Rechte geistigen Eigentums, zum Beispiel Patente, Marken, Produktdesigns und eben Kunst, Musik, Bilder und Texte, für die das Urheberrecht gilt. Ich zitiere hier mal die §§ 1 und 2:
§ 1 „Die Urheber von Werken der Literatur, Wissenschaft und Kunst genießen für ihre Werke Schutz nach Maßgabe dieses Gesetzes.“

§ 2 „Zu den geschützten Werken der Literatur, Wissenschaft und Kunst gehören insbesondere:

  1. Sprachwerke, wie Schriftwerke, Reden und Computerprogramme;
  2. Werke der Musik;
  3. pantomimische Werke einschließlich der Werke der Tanzkunst;
  4. Werke der bildenden Künste einschließlich der Werke der Baukunst und der angewandten Kunst und Entwürfe solcher Werke;
  5. Lichtbildwerke einschließlich der Werke, die ähnlich wie Lichtbildwerke geschaffen werden;
  6. Filmwerke einschließlich der Werke, die ähnlich wie Filmwerke geschaffen werden;
  7. Darstellungen wissenschaftlicher oder technischer Art, wie Zeichnungen, Pläne, Karten, Skizzen, Tabellen und plastische Darstellungen.“

In den nächsten Paragraphen hält das Gesetz fest, dass nur der Urheber das Recht hat, seine Werke zu veröffentlichen, zu verbreiten und auszustellen, die kann er übertragen, aber auch dann hat er das Recht, dass er als Urheber genannt zu werden. Sprich: Einfach ein Foto aus einer Datenbank oder einem sozialen Medium zu nehmen und bei sich zu posten, ist nur erlaubt, wenn der Urheber zugestimmt hat, dann muss geklärt werden, ob sein Name genannt werden soll oder nicht!

Weshalb eine Bildklau mehr ist als ein Bildklau

Nun könnte man sagen, naja, das eine Bild ist ja kein Problem. Doch, ist es. Mir ist Folgendes passiert: Ich habe vor vielen Jahren bei Facebook ein Bild eingestellt, ich nenne es mal „Abendstimmung mit Riesenrad“. Ich hatte mitbekommen, dass einige Facebook-Freunde es geteilt hatten, deren Freunde haben es wieder geteilt und irgendwann entdeckte ich MEIN Bild zufällig in einer Bilddatenbank, in die man Bilder zum Verkauf hochladen kann! Auf meinen Hinweis an den Betreiber wurde das Bild herausgenommen, aber derjenige, der es hochgeladen hat, meinte, er hätte ja keinen Urheber ausfindig machen können und hätte gedacht, er dürfe das! Er hat mit meinem Bild Geld verdient! Das war in meinem ersten oder zweiten Jahr bei Facebook, da war ich vielleicht noch etwas naiv, heute versehe ich alle Bilder mit einem Copyright-Vermerk. Diese Bilder werden trotzdem geteilt, klar, aber dann kann ich nachweisen, dass der Vermerk bewusst abgeschnitten oder entfernt wurde.

Ich habe inzwischen so viele Riesenrad-Fotos, dass ich nicht mehr weiß, um welches Foto es damals ging – dieses war es jedoch nicht, denn es war sicher kein Kran im Hintergrund zu sehen 🙂

Nun war das ein Foto, das ich hobbymäßig gemacht habe, aber ich weiß, dass es ProfifotografInnen und KünstlerInnen genauso passiert ist. Natürlich kann der Urheber sein Recht einklagen, aber das kostet und ist aufwendig und gerade FreiberuflerInnen haben nicht immer die entsprechenden finanziellen und personellen Ressourcen.
Um das klarzustellen: Natürlich freue ich mich, wenn ein Foto oder Beitrag aus den sozialen Medien geteilt wird – sofern ich als Urheberin weiterhin erkennbar bleibe, was leicht möglich ist, indem man mich bzw. die Urheber grundsätzlich im Posting markiert.

Warum mich Postings fremder Texte ärgern

Im Internet, das weiß inzwischen eigentlich jeder, sind Likes und Klicks die entscheidende Währung. Wer also fremde Texte postet, nehmen wir mal ein Gedicht von Erich Kästner, weil mich das immer besonders ärgert, erhält viele Likes und – wenn es auf seiner Website oder im Blog steckt – Klicks, die zu einem besseren Suchmaschinenranking oder sogar zu Werbeeinnahmen führen. Und ich rede nicht von Zitaten, die in ein Posting oder einen Artikel eingebettet sind, die sind durch das Zitierrecht abgedeckt – sofern sie in einen eigenen Content eingebettet sind. Ich rede auch nicht davon, dass jemand ein Posting des Urhebers, der dort seinen Text veröffentlicht hat, mit Hinweis auf den Urheber teilt. Ich rede davon, dass Gedichte oder Liedtexte abgeschrieben oder woanders rauskopiert werden und mit oder ohne Namensnennung im eigenen Account gepostet werden. Da verschafft sich jemand im wahrsten Sinne des Wortes auf Kosten anderer einen Vorteil!

Ein paar Erfahrungen als Autorin

Als Autorin liegt mir das Urheberrecht besonders am Herzen, das ist mein „Kapital“, vielleicht sind manche Texte nicht weltbewegend, aber ich habe mir trotzdem – manchmal Stunden, Tage, Wochen, Jahre – Gedanken zu dem Thema gemacht und den Text geschrieben oder auch ein Konzept entwickelt. Leider musste ich in den 15 Jahren meiner Freiberuflichkeit feststellen, dass selbst Verlage es nicht immer so genau nehmen mit dem Urheberrecht – mehrmals ist es mir passiert, dass meine Konzepte und Gliederungen in Verlagen an andere AutorInnen weitergegeben und von diesen verwendet wurden! Und ich habe es tatsächlich erlebt, dass die Autorin eines Internetportals aus einem Buch seitenweise abgeschrieben hat; damit das nicht auffällt, hat sie einzelne Wörter geändert, aus laufen wurde rennen – ansonsten war es derselbe Satz, ein Nomen wie die Kinder wurde durch ein Personalpronomen wie sie ersetzt. Da allerdings zeigte sich der Betreiber des Portals einsichtig, ich habe rückwirkend ein Nutzungshonorar bekommen und ich wurde als Urheberin erwähnt. Jetzt gerade muss ich mich damit beschäftigen, dass ein Auftraggeber in der Neuauflage einer Broschüre den Urhebervermerk mit meinem Namen herausgestrichen hat.
Es ist ohnehin nicht leicht, mit dem Schreiben seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, solche Fälle rauben mir zusätzlich Zeit und manchmal auch noch Geld. Versteht ihr, warum ich mich so aufrege, dass das Urheberrecht missachtet wird.
In diesem Jahr steht der Tag des geistigen Eigentums unter dem Motto: „Geistiges Eigentum und Jugend“ – da bin ich gespannt, ob das bei der Jugend ankommt. Die allerdings muss ich in Schutz nehmen, als Lernbegleiterin hatte ich täglich, sagen wir: an jedem Werktag, ein Arbeitsblatt auf dem Tisch, das keinen Quellenvermerk enthielt. Schulen dürfen Werke für den Unterricht kopieren, aber wie sollen die Schülerinnen und Schüler lernen, das Urheberrecht zu achten, wenn sie es nicht vorgelebt bekommen. Ein weites Feld, ich weiß, aber ich musste das jetzt mal loswerden und vielleicht haben manche wenigstens den ersten Abschnitt gelesen und machen sich künftig Gedanken über die Urheber.
Noch ein Hinweis zum Schluss:  Ich bin keine Juristin, das hier sind meine Erfahrungen und Gedanken bis auf die Zitate aus dem Urheberrecht natürlich, die ich der Seite www.gesetze-im-internet.de übernommen habe. © 2022 Dr. Birgit Ebbert www.birgit-ebbert-blog.de