(28.09.2021) Am Freitag gab es im Theater an der Volme erneut eine Uraufführung, zu der sich Stefan Schroeder von einem Fernsehklassiker hat inspirieren lassen. Wie bereits bei der ersten Hagener Krimikomödie „Das Wirtshaus an der Volme“ werden die Filmcharaktere in einen neuen Kontext gesetzt, doch da greife ich schon vor

Zur Geschichte „Zwei wie Stan und Olli“

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen Sven und Ulli, die in ihrem Outfit, ihrem Verhalten und ihren Gesten an die Helden unserer Kindheit erinnern: Stan und Olli, auch: Dick und Doof (übrigens ist Stan nicht der Dicke ) oder heute unter dem Titel „Laurel & Hardy“ als Video erhältlich. Aber unsere beiden Helden haben ihre eigene Geschichte. Sie haben in ihrem ganzen Leben noch kein Geld mit Arbeit verdient, sondern sich so durchgewurschtelt. Ihr reicher Onkel Olaf möchte, dass sich das ändert und hat an die Zuteilung seines Nachlasses eine Bedingung geknüpft: Die beiden Neffen müssen innerhalb von einer Woche irgendwie Geld verdienen. Die Vorstellung von dem unermesslichen Vermögen, über das Onkel Olaf bei ihrer letzten Begegnung verfügte, motiviert die beiden, einen Versuch zu starten. Sie bewerben sich im Casino und in der herrschaftlichen Villa als Nachtwächter, verdingen sich als Hausverwalter und Bestatter, arbeiten als Liftboy und Kellner und Detektive, sogar als Zauberer versuchen sie sich. Aber die beiden sind wirklich Tolpatsche und Pechvögel zugleich. Es sieht nicht gut aus für ihr Erbe. Ob sie es antreten können? Nein, so tolpatschig bin ich nicht, dass ich das hier verrate, aber schmunzeln muss ich über den Schluss schon wieder

Die Inszenierung

Ein Faktor für den Erfolg eines Stückes ist natürlich das Stück, das ist ja klar, was sollte ich als Vertreterin der schreibenden Zunft sonst sagen Aber ebenso wichtig, wenn nicht wichtiger sind die Darsteller und ihre Art, sich in die Rollen einzufügen. Die Rollen von Sven und Ulli waren treffend mit Dario Weberg und Simon Jakobi. Die beiden konnten sich auf der Bühne austoben, Nonsense produzieren und sinnige und unsinnige Dinge sagen, die ihnen Stefan Schroeder ins Skript diktiert hatte. Ihre ganze Wirkung entfalten die beiden allerdings erst durch ein Gegenüber, das auf vielfältige Weise von Anna-Christina Reske gegeben wurde. Ich habe sie das erste Mal auf der Bühne gesehen und war begeistert von ihrer Wandlungsfähigkeit. Die zentrale Rolle ist Fräulein Obacht, die überwachen muss, ob die beiden Neffen eine Arbeit finden. Aber dann spielt sie auch jede andere Rolle, die nötig ist, um Spaß und Spannung zu erzeugen, den Einbrecher und den verrückten Wissenschaftler, den Polizisten, sogar ins Kostüm eines Orang-Utans schlüpft sie und tanzt darin noch mit Sven und Ulli. Das Spiel der Darsteller wurde in der Inszenierung ergänzt um Video-Einspielungen aus alten Stan und Olli-Folgen, wodurch das Personal auf der Bühne noch um wütende alte Männer erweitert wurde, die sich über die Pannen der beiden Tolpatsche aufregen. Diese Szenen und auch die Übergänge im Design der Filmklassiker geben der Inszenierung zusätzlich eine besondere Note. Eine tolle Inszenierung und ein außergewöhnliches Stück aus Hagen, wirklich schade, dass der Zuschauerraum nur halb besetzt war, trotz Lüftungsanlage, 3G-Regeln und weiterhin Reduzierung der Sitzplätze um Abstand und einen coronasicheren Abend zu ermöglichen.

Kultur braucht Publikum, denn Publikum braucht Kultur!

Ich bin selbst immer noch vorsichtig und überlege, wo ich hingehe und wo nicht – ins Theater an der Volme begebe ich mich ohne zu zögern. Andere Orte zu testen, fehlte mir noch die Zeit wegen eigener Veranstaltungen. Aber eins ist klar: Wenn wir jetzt nicht die Chancen nutzen, die uns für sichere Unterhaltung auf den Bühnen geboten wird, kann es sein, dass wir in kurzer Zeit keine Gelegenheit mehr bekommen für Theaterbesuche, weil private Bühnen sich leere Plätze nicht leisten können und die öffentliche Hand womöglich mit Verweis auf zu geringe Auslastung Mittel kürzt. Publikum braucht Kultur, um abzuschalten, um den Horizont zu erweitern, um anderen zu begegnen … – Kultur braucht immer Publikum, aber jetzt ganz besonders! In diesem Sinne, die nächsten Termine von „Zwei wie Stan und Olli“ sind am 1. 10., 2. 10., 10.10., 15.10., 23.10. (merke ich mir als Option vor ), 24.10., 29., 30. 10. Und vielen anderen Terminen und ansonsten findet jede und jeder im Internet schnell die nächsten Kulturveranstaltungen in seiner und ihrer Nähe. © 2021 Dr. Birgit Ebbert www.birgit-ebbert-blog.de